Aller Anfang ist Tun
merkenVier mal vier ungewöhnliche Geschäftsmodelle.
Not macht erfinderisch, genau wie das Leben: Von Bier aus Brotresten bis hin zu zuckerfreien Müsliriegeln sorgen diese ungewöhnlichen Projekte für regionale Strahlkraft.
Am Anfang war das Kopfzerbrechen. Alle Protagonist:innen, um die es in diesem Text gehen soll, standen vor einem Problem oder einer Fragestellung: Wie Lebensmittelverschwendung verhindern? Wie kommt bei einer Unverträglichkeit der Genuss nicht zu kurz? Und was anfangen mit Trauben, die zu wenig Sonne abbekommen haben? Manchmal liegt die Lösung im Ausprobieren, manchmal in einem über 100 Jahre alten Rezept.


Bekannt ist Schwarzbräu für kompromisslose Qualität. Die familiengeführte Brauerei in Krumbach bietet Führungen, Verkostungen und einen Ab-Hof-Shop an. Verschrieben hat sich die Familie Schwarz der Wiederentdeckung alter Bierstile ebenso wie dem Experiment. Genau die Richtigen also, um eine auf den ersten Blick verrückte Idee in die Tat umzusetzen: Bier aus Brotresten herstellen. Genau genommen aus Lavabrot, einer speziellen, 44 Stunden lang gerührten Sorte, die anschließend weitere 24 Stunden nachreifen darf, bevor sie gebacken wird. Gut Ding will Weile haben! Hergestellt wird dieses Lavabrot in der in Kirchschlag in der Buckligen Welt gelegenen Bäckerei Koll.


Nicht auf der herben, sondern der süßen Seite befindet sich der Eis-Greissler. Bekannt ist der Betrieb für seine herausragenden Grundzutaten, die beispielsweise mit Gewürzen von Sonnentor kombiniert werden, seine unverfälschte Aromatik und Sorten, wie Karamell, Bärlauch, Butterkeks oder Kürbiskernöl. Vom Stammsitz in der Buckligen Welt aus hat die Eisdiele ihren Siegeszug angetreten, bis nach Wien, Graz, Lienz und Klagenfurt – um nur einige zu nennen. Das Herz des Betriebs schlägt allerdings noch immer in Krumbach. Besucher:innen erwartet neben einer Eis-Zeitreise mit Express-Zug und einem Flying Theater auch eine Versuchsküche.


An Energie mangelte es den Weintrauben rund um Reichenau – zu hochwertigem Wein konnten sie kaum reifen. Stattdessen kamen die Mönche des Stifts Gloggnitz im 11. Jahrhundert auf die Idee, deren unreifen Saft zu pressen und ihn anschließend mit Zucker, Alkohol und Wasser zu einem erfrischenden Getränk zu mischen. Davon erfuhr jene Köchin, die den Schriftsteller Heimito von Doderer auf seiner Sommerfrische verköstigte – und deren schriftliche Notizen wiederum gelangten in die Hände des Getränkeexperten Johannes Ribeiro da Silva. 2016 kreierte er ein Getränk im Geiste jener Gloggnitzmönche ebenso wie der böhmischen Köchin. Neben Verjus besteht dieser SILVA aus Limettensirup und mit Kohlensäure versetztem Quellwasser – und ist der beste Beweis dafür, wie aus einer Not heraus Großartiges entstehen kann. Zu kosten und kaufen gibt es ihn in Gasthäusern in Reichenau und um Umgebung.