„Wir sind wirkliche Radfreaks.“

merken

Wolfgang Klinggraber führt als Newcomer im Zweirad-Geschäft das "Sgrafit-bike" in Retz – mit einem Team aus unterschiedlichen Radfahrtypen, die ihr Enthusiasmus eint.

Beruflich war Wolfgang Klinggraber in einem ganz anderen Bereich unterwegs, in seiner Freizeit aber immer auf den schönsten Radstrecken. Dann kam das "Sgrafit-bike" im Retzer Sgraffitohaus. Dort will er nun auch andere für Touren durchs Weinviertel begeistern.

Was ist Ihr Hintergrund und wie kamen Sie zu Sgrafit-bike?

Ich komme beruflich aus einem komplett anderen Bereich, bin aber mein ganzes Leben lang schon leidenschaftlicher Radfahrer, habe also mein Hobby zum Beruf gemacht. In meiner Freizeit fahre ich weiterhin auf Radurlaube. Hier in Retz habe ich das Angebot bekommen, mit einem Fahrradgeschäft das Konzept von „Sgrafit Hotel & Apartments“ zu komplettieren – als Radunterkunft. Der Eigentümer hat jemanden gesucht, der im selben Haus ein Fahrradgeschäft mit Verleih und Service anbietet.

Wie sieht diese Symbiose von Unterkunft und Radgeschäft aus?

Das Sgraffitohaus liegt am Hauptplatz, von wo aus man nicht nur dessen besondere Fassade sieht, sondern auch schon den Shop, das sGrafit Bike. Der Verleih liegt auf der Hinterseite, unterhalb der Apartments. Bei diesen Apartments gibts einen großen Innenhof, in dem wir für unsere Kund:innen alles vorbereiten. Sie bekommen dort auch eine kurze Einführung von uns und können die Räder testen. Man kann auch einen Waschplatz nutzen, bevor man die Räder einpackt oder zurückgibt. Das E-Bike überreichen wir aufgeladen, wenn man hier übernachtet. Und wenn man es mehrere Tage leiht, gibt es Ladestationen – oder man bringt die Batterie am Abend zu uns ins Geschäft. Gäste, die im Haus übernachten, können bei uns Räder leihen, es werden auch günstigere Kombi-Buchungen für ein Apartment plus Räder angeboten. Wir kümmern uns dann um alle Belange beim Radfahren: vom Verleih übers Service bis zum Korb und dem Helm. Ich habe ein tolles, bemühtes und junges Team. Wir kennen uns schon länger und machen das mit Freude. Und wir haben es hier mit gut gelaunten Menschen zu tun, die zum Radfahren und Urlauben kommen und das spüren. Das ist für mich ein großer Vorteil gegenüber anderen Berufen.

Teil des Konzepts ist es auch, die schönsten Radrunden zu empfehlen?

Der Verleih ist die tragende Säule. Mit Touren wollen wir das Angebot erweitern, weil die Nachfrage nach Tipps auf jeden Fall da ist. Wir haben auf unserer Homepage die schönsten Strecken im Weinviertel verlinkt und fahren auch selbst Wege ab und geben danach die GPS-Daten weiter. Dabei achten wir darauf, dass alle Touren zumutbar sind. Wir bieten verschiedene Strecken an, von gemütlich bis sportlich. Wenn Kund:innen weniger Kilometer fahren und dafür unterwegs in einem guten Heurigen einkehren, nachmittags einen Kaffee und beim Zurückfahren ein Glas Wein trinken wollen, dann haben wir auch Vorschläge. Wir selbst gehen gerne nach einer Tour am Retzer Hauptplatz zu Elmers Café. Wenn man etwas unterwegs sucht: Beim neu renovierten Retzbacherhof in Unterretzbach kommt man etwa auf vielen Runden vorbei.

Eignet sich die Gegend besonders für gemütliche Ausfahrten mit Rast, wenn Hunger und Durst rufen?

Definitiv! In den letzten Jahren ist nicht nur viel an der Beschilderung der Radwege gearbeitet worden, sondern auch an allem, was rund ums Radfahren gastronomisch angeboten wird. Toll ist das Weinviertler Radlerpicknick: Ein Fahrradkorb für zwei Personen, gefüllt mit lokalen Speisen – Brot, Wurst, Käse und mehr. Den bekommt man auch bei uns.

Bieten Sie auch geführte Radausflüge an?

Immer mehr Leute fragen uns, was sie über die bekannten Wege hinaus noch machen können. Deshalb sollen sie bei uns auch Touren inklusive Guide buchen können. Was "Sgrafit-bike" ausmacht: Wir sind alle wirkliche Radfreaks und fahren gerne auch selbst. Wir sind aber unterschiedliche Radfahrtypen. Jede Person bei uns hat einen Bereich, in dem sie sich gut auskennt: vom Dirtbike über Downhill bis hin zum Rennrad. Für die geführte Tour kommt man mit dem eigenen Rad oder bucht eines mit. Je nach Wunsch zeigen wir dann zum Beispiel eine traumhafte Runde Richtung Hardegg, bei der wir ebenso sportlich in die Berge fahren wie angenehm im Ort sitzen können. Nach Belieben erzählen wir etwas über die Geschichte der Gegend und gehen danach gemeinsam essen. Mir persönlich würde es selbst auch gefallen, wenn wir neben gemütlichen Radler:innen noch mehr die sportlich ambitionierten herholen.

Wie sieht hier im Sommer ein perfekter Radtag aus?

Da hat man alle Möglichkeiten, das macht diese Gegend ja aus. Wenn man nur eine kleine Runde in der Ebene fahren will, geht das genauso, wie wenn man mit dem E-Bike, dem Mountainbike oder dem Rennrad auf den nächsten Berg will. Eine der Runden führt über Kleinriedenthal, Haugsdorf und Hadres nach Mailberg, wo man das Schloss besichtigen und zum Beispiel beim Weingut Hagn ein Glas Wein oder einen Kaffee genießen könnte. Mit Start und Ziel in Retz ist sie zwischen 70 und 80 Kilometer lang und die Landschaft auf dem Weg wunderschön. Wenn es noch sportlicher sein soll, gibt es Touren Richtung Pulkau mit mehreren Höhenmetern. Leicht zu bewältigen und sehr schön ist der „Chardonnay-Weinradweg”, der in Retz startet und durch Kellergassen und bei Winzer:innen vorbei führt. Wenn man etwas sucht, das nicht anstrengend ist, kann man auch Richtung Laa an der Thaya fahren, wo man sich am Weg überall hinsetzen und picknicken oder in ein Wirtshaus einkehren kann. Oder man macht sogar eine Runde zum Baden im Vranov-Stausee in Tschechien, die Grenze ist ja nur wenige Kilometer entfernt. Im Sommer ist das eine perfekte Ausfahrt.